Das Taekwondo-Lehrsystem von Yong Lee Kwan
Von der präzisen Grundschule über Taekwondo-Formen und Selbstverteidigung bis zum sportlichen Freikampf: Unser Lehrsystem verbindet Technik, Körperbeherrschung und den persönlichen Weg.
Sechs Disziplinen. Ein gemeinsamer Weg.
Im Taekwondo in Wien trainieren wir nicht nur einzelne Bewegungen. Die Disziplinen greifen ineinander: saubere Taekwondo-Techniken schaffen die Grundlage für Poomsae, Selbstverteidigung, Kyorugi und kontrollierte Kraft.
Gibon Yeonsup
Die Grundschule – wie der Name schon sagt – ist das Grundgerüst beziehungsweise das Fundament für alles, was man im Taekwondo erlernt. Die Grundschule besteht aus einer Anzahl bestimmter Hand- und Beintechniken, aus denen sich andere Techniken und Kombinationen ableiten.
Unsere Grundschule (kor. Kibon Dongzak) besteht aus 10 Hand- und 13 Beintechniken. Die Grundschule ist das A und O für das Erlernen der nächsten Disziplinen.
„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“
Poomsae
Der Formenlauf (kor. „Poomsae“) ist im Taekwondo eine wichtige Grundlage für den Kampf. Es ist eine Kombination aus verschiedenen Fußstellungen gepaart mit Handabwehrtechniken, Fuß- und Faustschlägen. Diese gehen ineinander über, ergänzen sich und ergeben das Bild eines Kampfes gegen einen oder mehrere Gegner.
Der Rhythmus sowie die richtige Atmung spielen zur korrekten Ausführung eine wichtige Rolle. Mit den Poomsae soll auch die Koordination und die Gleichgewichtshaltung verbessert werden. Je nach Graduierung werden mithilfe der Formenläufe die Ausführung von Fuß- und Handtechnikkombinationen verbessert.
Präzision, Kraft, saubere Techniken und Körperbeherrschung sind die Eigenschaften, die man beim regelmäßigen Trainieren der Poomsae erlangt. Pro Kup (Schülergrade) gibt es drei verschiedene Formenläufe, die man erlernen sollte. Pro Dan (Schwarzgurtgrade) gibt es jeweils nur einen Formenlauf zu erlernen. Der Grund dafür ist die Schwierigkeit der Formenläufe der Dan-Grade.
Il-Bo Kyorugi
Koreanisch: Kyorugi = Kampf. Der sogenannte Ein-Schritt-Kampf läuft nach einem vorgeschriebenen Schema ab. Fehler und Nachlässigkeiten können sofort korrigiert werden.
Er eignet sich besonders für Demonstrationen, da Abwehr- und Angriffstechniken aufeinander abgestimmt sind und somit auch unkundigen Zuschauerinnen und Zuschauern ein guter Eindruck von Taekwondo und seinen Anwendungsmöglichkeiten vermittelt wird.
Im unprogrammierten, freien Kampf wird eine Vielzahl der erlernten Techniken des Angriffs und der Verteidigung in beliebiger Kombination angewandt. Im Training wird ohne Kontakt gekämpft. Hierbei wird besonders auf eine exakte und saubere Technik geachtet.
Neben dem Ein-Schritt-Kampf gibt es den Zwei- und Drei-Schritt-Kampf (Ibo- beziehungsweise Sambo-Matsoki, Ibo- beziehungsweise Sambo-Taeryeon), die jedoch eher untergeordnete Bedeutung haben.
Hosinsul
Koreanisch: Hosinsul = spezielle Selbstverteidigungs-Techniken. Die Selbstverteidigung ist ein wichtiger Nebeneffekt des Taekwondo. Natürlich sind alle Übungen darauf ausgerichtet, sich auch im Ernstfall gegen einen Gegner behaupten zu können.
Einige spezielle Selbstverteidigungs-Techniken ermöglichen dem Geübten zusätzlich, Angreifer schnell abzuwehren und unter Kontrolle zu bringen. Hierzu ist jedoch einiges an Training erforderlich.
Taekwondo stärkt das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das trägt bereits dazu bei, auch in Konfliktsituationen kühlen Kopf zu bewahren und sich behaupten zu können.
Kyorugi
Prinzipiell handelt es sich hierbei um den direkten sportlichen Vollkontaktwettkampf zwischen zwei Sportlern, bei dem gewisse Körperzonen als zulässige Trefferpunkte gewertet werden.
So dürfen die Sportler mit den Füßen auf den Rumpf und den Kopf treten – hierfür erhalten sie Punkte –, wobei die Rückenpartie ausgenommen ist.
Klammern, Halten und Werfen des Gegners sind in diesem Bereich des Taekwondo strengstens untersagt. Es handelt sich hierbei um einen Wettkampfsport und somit ist es nicht verwunderlich, dass etliche Regeln und Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um die Sportler zu schützen.
Kyokpa
Koreanisch: Kyokpa = Bruchtest. Bruchtests gehören nicht zum Ausbildungsprogramm des Taekwondo. Da es aber in der Praxis unmöglich ist, die geballte Kraft gegen eine Person einzusetzen, ohne diese ernsthaft zu verletzen, wird – namentlich an Demonstrationen – durch Zerbrechen von Hölzern, Steinen, Ziegeln und dergleichen gezeigt, welche Wirkung erzielt werden kann, wenn die vorhandene Kraft auf einen einzigen Punkt konzentriert wird.
Es demonstriert überzeugend, wozu Geist und Körper als Einheit in der Lage sind.
Drei Silben. Ein Weg.
Der Name beschreibt, was Taekwondo verbindet: den bewussten Einsatz des Körpers und eine Geisteshaltung, die über die reine Technik hinausführt.
Fuß
TAE bedeutet Fuß und steht für die Fußtechniken.
Faust
KWON bedeutet Faust und steht für die Arm- und Handtechniken.
Weg
DO bedeutet Weg und steht für den Geistesweg und die Geisteshaltung, die erreicht werden soll.
Das Taekwondo-Gürtelsystem
Die Graduierungs- beziehungsweise Gürtelsysteme der Kampfsportarten sind erst im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden. Zu Beginn des modernen Taekwondo gab es nur vier Gürtelfarben, die ihren Ursprung in der koreanischen Flagge hatten: Weiß, Blau, Rot und Schwarz. Gelb und Grün wurden nachträglich hinzugefügt.
Das moderne Graduierungssystem dient dazu, den Trainings- und Wissensstand zu repräsentieren. Die Aufstellung beim Training wird nach Gürtelfarben vorgenommen. Vorne rechts steht der am höchsten Graduierte, und als Letztes der niedrigste Grad. Die Gürtelstufen sind unterteilt in die Schülergrade (Kup) und Meistergrade (Dan).

Weiß bedeutet die Unschuld. Dies symbolisiert den Anfänger, welcher kein vorheriges Wissen über Taekwondo hat.
Gelb symbolisiert die Farbe des fruchtbaren Erdbodens, aus der die Pflanzen sprießen und sich Wurzeln bilden – genauso wie das Wissen des Schülers langsam zu wachsen beginnt.
Grün symbolisiert die ersten Sprösslinge und Früchte, Zeichen dafür, dass sich die Trainingsanstrengungen gelohnt haben und etwas im Schüler heranreift.
Blau symbolisiert die Farbe des Himmels und somit sinnbildlich eine Grenze. Der Schüler muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, Höheres anzustreben und auch zu erreichen.
Rot repräsentiert die Sonne, von der schon eine große Kraft ausgeht, dient dem Schüler aber auch als Signal. Er steht nun kurz davor, Meister zu werden, und wird angehalten, sich noch intensiver und ausdauernder mit dem Taekwondo zu beschäftigen.
Schwarz ist die Kombination aus allen anderen Farben und ein Symbol für das Weltall; sie vereinigt die anderen Farben. Es symbolisiert die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meister.
Technik versteht man am besten im Training.
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